Der Regen hatte gerade aufgehört, als sie den Hof erreichte.
Unsicher blieb sie vor der Tür stehen.
Das Haus wirkte ruhig, fast wartend.
Sie hatte lange überlegt, ob sie kommen sollte.
Zu viel gelesen.
Zu viel gedacht.
Am Ende war sie einfach gefahren.
Die Tür öffnete sich, noch bevor sie klopfen konnte.
Madame Molly M. stand dort, ruhig wie immer, die Hände locker ineinander gelegt.
Ihr Blick war weder prüfend noch überrascht.
Als hätte sie gewusst, dass heute jemand kommen würde.
„Du bist spät“, sagte sie sanft.
Keine Kritik. Nur Feststellung.
Die Besucherin senkte kurz den Blick.
„Es war schwer, den Mut zu finden.“
Madame Molly M. trat zur Seite.
„Mut kommt selten vorher“, antwortete sie ruhig.
„Meistens erst danach.“
Drinnen war es warm. Ein leises Ticken einer Uhr erfüllte den Raum.
Die neue Besucherin blieb stehen, unsicher, wohin sie sollte.
Madame Molly M. setzte sich in ihren Sessel.
Erst jetzt wurde klar, wer hier den Raum bestimmte.
„Setz dich“, sagte sie.
Nicht laut.
Nicht streng.
Und doch unmöglich zu ignorieren.
Die Besucherin setzte sich langsam.
Ihre Hände verrieten Nervosität.
Madame Molly M. beobachtete sie eine Weile schweigend.
Dann fragte sie:
„Warum bist du hier?“
Die Antwort kam leiser als erwartet.
„Ich möchte geführt werden.“
Ein Moment Stille.
Madame Molly M. nickte kaum sichtbar.
„Dann beginnt alles mit Zuhören.“
Sie lehnte sich zurück.
Der Regen setzte draußen wieder ein, sanft gegen die Fenster.
Und irgendwo zwischen den Tropfen verstand die neue Maus, dass sie nicht gekommen war, um jemand anderes zu werden sondern um endlich ihren Platz zu finden.