Er hatte geklopft.
Einmal. Nicht zu laut.
Die Tür öffnete sich erst nach einigen Sekunden.
Madame Molly M. stand im Rahmen, ruhig, unbewegt.
Das Licht hinter ihr machte den Raum warm, fast stillstehend.
Sie sagte nichts.
Ihr Blick glitt über ihn langsam, aufmerksam, als würde sie mehr sehen als das Offensichtliche.
Er wollte sprechen.
Eine Begrüßung, eine Erklärung, irgendetwas.
Doch die Worte blieben aus.
Madame Molly M. trat zur Seite.
Das genügte.
Er trat ein.
Der Raum war einfach eingerichtet. Ein großer Tisch, schwere Stühle, ein Sessel am Fenster. Alles wirkte benutzt, nicht dekoriert. Ein Ort, der nicht beeindrucken musste.
Sie schloss die Tür hinter ihm.
Das leise Klicken hallte länger nach, als es sollte.
„Viele kommen mit Erwartungen“, sagte sie schließlich und ging langsam zum Tisch.
„Sie glauben, sie wissen, was sie suchen.“
Sie drehte sich zu ihm um.
„Und du?“
Die Frage lag ruhig im Raum.
Er überlegte.
Zum ersten Mal ehrlich.
„Ich weiß es nicht.“
Ein kaum sichtbares Lächeln erschien in ihren Augen.
Madame Molly M. nickte.
„Gut.“
Sie setzte sich, als wäre alles bereits entschieden.
„Dann kannst du lernen zuzuhören.“
Er blieb stehen, wartete unbewusst auf eine weitere Anweisung.
Doch sie sagte nichts mehr.
Und genau in diesem Schweigen verstand er, dass Führung manchmal nur aus einem Blick besteht.